Der Saxophonist Joshua Redman gehört mit 40 schon zu den Jazz-Klassikern. Selbst Sohn eines Musikers, eroberte er weltweit Fans mit eleganter Lässigkeit.
> Hi Joshua, wie ist das Wetter heute in Kalifornien?
Wundervoll. Es ist warm, die Sonne scheint. Warum fragst Du?
> Weil ich mir vorstelle, dass man bei schönem Wetter auch schöne Songs schreiben kann und...
...und bei schlechtem Wetter schlechte? Nein, absolut nicht. Das Wetter hat - so glaube ich zumindest - überhaupt keinen Einfluss auf das Komponieren. Bei mir zumindest nicht.
> Das sehe ich anders: Bei schlechtem Wetter schreibe ich viel disziplinierter. Wenn es nicht das Wetter ist, welchen Einflüssen sind Deine Songs ausgesetzt?
Ich schreibe Musik, keine Texte. Und Musik ist eine Sprache ohne Zunge - insofern ist es auch schwierig, Einflüsse festzustellen. Selbst für mich.
> Deine Plattenfirma verbreitet, es täte dir sehr gut, in depressiver Stimmung zu schreiben.
Natürlich. Ich hatte viel Ärger, ich war desorientiert - aber das Seltsame ist: Ich habe dies Dinge in mir hochkommen gespürt als es mir privat gerade besonders gut ging. Aber genau aus dieser Situation heraus ist ja auch mein Album "Compass" entstanden, über das wir heute reden. Es gibt mir Orientierung.
> Und die Wahl von Obama - war das ein guter Einfluss?
Aber ja. Nicht nur für mich, nicht nur für Amerika. Seine Wahl war überfällig. Es sind so viele Dinge falsch gelaufen in den USA in den letzten Jahren. Da muss Obama einiges Gutes tun, um uns, den Vereinigten Staaten, aber auch der Welt zu helfen. Er muss vieles gerade rücken. Aber er ist einfach großartig, er ist intelligent, er ist weise - ich freue mich aufrichtig über seine Wahl.
> Du warst bereits zweimal Gast beim Enjoy-Jazz-Festival in Heidelberg-Mannheim...
...ja, das war eine sehr wichtige Erfahrung für mich. 2007 war ich zweimal mit dem Trio da, letztes Jahr mit dem Trio und mit Brad Mehldau. Es ist eines meiner absoluten Lieblingsfestivals. Die Auftrittsorte sind großartig und die Atmosphäre ist kreativ.
> Lässt das Musikgeschäft überhaupt noch Raum für ausreichend Kreativität?
Es ist schwieriger geworden. Ich bin fein raus, weil ich mir in den "fetten Zeiten" einen Namen erarbeitet habe. Aber die jungen Bands, die haben es schwer. Ich denke, die nächste Generation muss sich jetzt etwas ausdenken, wie Musik wieder ein einträgliches Geschäft wird. Und ich schaue von der Seitenlinie zu.
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