Man konnte sie hören und spüren: die ruhevollen wie die wilden Kräfte der Natur, die das Spiel von Charles Lloyd durchpulsen. Die friedvollen Wälderseiner amerikanischen Heimat, die Geister seiner Ahnen, amerikanischer Ureinwohner, die Winde, welche alte Geschichten erzählen. All dies tönt im Spiel des großen Tenorsaxofonisten, der mit seinem „New Quartet“ ein grandioses Eröffnungskonzert von „Enjoy Jazz“ im Königssaal des Heidelberger Schlosses gab.
Festivalleiter Rainer Kerntat gut daran, diesem Großen die Bühne des ersten Abends zu überlassen und damit größte Aufmerksamkeit auf seine Kunst lenken. Das konzentriert lauschende Publikum spürte diese Größe in jeder Phase und feierte die Musiker mit großer Begeisterung.
Mit verschiedensten Besetzungen ist Lloyd in den letzten Jahren bei diesem Festival für Jazz und Anderes aufgetreten, sei es mit dem Gitarristen John Abercrombie oder der Pianistin Geri Allen. Mit Janson Moran und seinen Begleitern hat er nun eine wunderbare Mannschaft gefunden, welche die Ideen des Bandleaders höchst eingebungsvoll umsetze. Eine vollkommene Balance zwischen Ruhe und Erregung, Tiefe und Kraft eröffnete dieses Quartettspiel: ein Abbild der Natur. Große Weite, Weisheit und Spiritualität brachte Lloyd in sein Spiel – und eine große Magie des Klangs. In den Balladen ganz besonders, wenn er die Töne in abgedämpften Registern ins weite schweben lässt. In weit geschwungenen Bögen schickt der Tenorist die melodischen Linien auf Reise. Eine hohe Intensität des Lyrischen erreicht er mit schmiegsam gleitenden, flüssig quellenden Linien. Seine tiefe Inspiration führt auch in ungebändigte Hardbob-Stürme: Ausdruck einer großen musikalischen Meisterschaft.
Die Kunst Morans hat man in unserem Raum schon des öfteren erleben können. Der Pianist kann sich wunderbar eingebungsvoll in Lloyds Kompositionen hineinversetzen, ohne seinen eigenen Stil zu verleugnen. Hochvirtuose Läufe ließ er über die Klaviatur fliegen, sehr bluesig, „monkish“, kantig verwirbelt, mit Dissonanzen und Clustern reich gespickt.
Komplexe Rhythmen gingen daher einher, was nicht ausschloss, auch mal in ausdrucksvolle Klavierromantik einzutauschen. Ähnlich wie bei Lloyd ist auch Moran ein Visionär, der das Verschiedene als große Einheit begreift.
Fabelhafte Begleiter waren der überaus facettenreich trommelnde Nasheed Waits und Reuben Rogers am Kontrabass. Großer Jubel erntete Letzterer für sein virtuoses Solo, das er mit knorrig-senoren Basstönen kontrapunktierte. In der Pause ging Lloyd nicht ohne einen Appell ans Publikum zu richten, das kostbare Naturgut der Erde zu achten. Die griechische Sängerin Maria Farantouri kam nach Heidelberg, um mit Lloyd für ein Konzert in Griechenland zu proben- was ihr einen spontanen Auftritt beim Eröffnungskonzert einbrachte. Ein Lied von Georges Moustaki, ein ornamentreich geschlungenes griechisches Volkslied und ein Song von Charles Lloyd sang sie mit ihrer warmen Altstimme.
Enjoy Jazz at:
© 2010 Enjoyjazz GmbH
Impressum