Erwin Ditzners Carte Blanche

Sa 30.10.2021


Alte Feuerwache Mannheim

VVK: 15 € zzgl. Geb

AK: 20 €

Beginn: 20:00

Einlass: 19:00

Reihe: Schlagzeug

Land: Deutschland

Besetzung:
Erwin Ditzner : dr
Sebastian Gramss : b
Philip Zoubek : p

Weiter geht’s mit Erwin Ditzners „Carte Blanche“, klar. Alte Geschichte, aber immer wieder zuverlässig neu. 2020 sorgte die Pandemie dafür, dass Erwin Ditzner am 1. November gemeinsam mit Luc Ex und Mika Szafirowski wider Willen das vorerst letzte Konzert des Festivaljahrgangs spielte. War ein schöner Abend. 2021 ist er früher dran und hat sich zum Konzert wieder einmal einen Klavierspieler eingeladen.

Einen Klavierspieler? Philip Zoubek, 1978 geboren im niederösterreichischen Tulln, hat in Wien und Köln Jazzklavier studiert und sich auf avancierte Spielweisen spezialisiert. In wirklich erstaunlich vielen hochkarätig besetzten Bands und Formationen (u.a. Philip Zoubek Trio, Z3, Emiszatett, Tau 5, Shift) erforschte er durch Präparationen die Klangmöglichkeiten seines Instruments, indem er es, wie einmal zu lesen war, in ein anderes Instrument verwandelte. 2020 war ein besonderes Jahr für Philip Zoubek: Er veröffentlichte gleich zwei Alben und wurde mit dem WDR-Jazzpreis ausgezeichnet. Erwin Ditzner jedenfalls schwärmt vom rhythmischen Gespür und der Energie Zoubeks. Sebastian Gramss, dritter im Bunde an diesem Abend, spielt mit Zoubek in der Formation Slowfox „melodic Avantgarde“. Und schlicht umwerfend ist Zoubek als Solist, zu hören auf „Vortex“, treffend in Worte transformiert in „Bad Alchemy“: „Zumindest kostet er das Faszinosum der verschiedenen Schattierungen von tönernen und drahtigen Anschlägen bis hin zu rubbeligem oder gar silbrigem Geflirr und glissandierenden Klangbögen weidlich aus, von bedachtsam brütend bis generös schüttend. Kullernde Streuung wechselt mit träumerischem Lauschen auf das, was die Finger da ertasten, der Klingklang der Rechten greift in das Dingdong der Linken, regnerisches Tröpfeln fällt auf krabbeliges Gewusel. Er lässt den Drahtkorpus federn und rasseln, erklimmt ameisig höchste Höhen, dongt gongig, zieht das Standuhrwerk auf wie Shandy Sen. Zoubek lässt kleine Dröhnwolken morphen, lässt es kristallig oder wie mit Schalldämpfer läuten, reiht fragende Wiederholungen oder ungrade Beats wie ein aleatorischer Automat.“ Selten nur wurde eine Konzertempfehlung schöner und treffender formuliert!